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Wanderfalke
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Der Wanderfalke (Falco peregrinus) gehört zur Familie der Falkenartigen. Er zĂ€hlt zu den gröĂten Vertretern der Familie und ist mit einer Spitzengeschwindigkeit von mehr als 320cite-ref-1[1] km/h beim JagdstoĂ das schnellste bekannte Tier. Der Wanderfalke ist ein Kosmopolit und die am weitesten verbreitete Vogelart der Welt; er besiedelt bis auf Antarktika alle Kontinente. Wanderfalken sind primĂ€r FelsbrĂŒter und bewohnen in erster Linie gebirgige Landschaften aller Art sowie SteilkĂŒsten. In den letzten Jahrzehnten hat die Art in vielen Teilen des Verbreitungsgebietes auch StĂ€dte und Industrieanlagen mit ihren zahlreichen âKunstfelsenâ besiedelt.
Wanderfalken sind hochspezialisierte VogeljĂ€ger; die Nahrung besteht fast ausschlieĂlich aus kleinen bis mittelgroĂen Vögeln, die im freien Luftraum erjagt werden. Die SturzflĂŒge aus groĂen Höhen bei der Jagd und die dabei erreichten hohen Geschwindigkeiten sind spektakulĂ€r. Der durch das Insektizid DDT verursachte Bestandseinbruch und die anschlieĂende Bestandserholung mit der Ansiedlung in vielen StĂ€dten haben den Wanderfalken zu einer der weltweit bekanntesten GroĂvogelarten gemacht.
Contents
âą Beschreibung
âą LautĂ€uĂerungen
âą Systematik
âą Jagdweise
⹠ErnÀhrung
âą Wanderungen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Beschreibung
AusgefĂ€rbte (adulte) Wanderfalken sind auf der gesamten Oberseite dunkelblaugrau. Die Unterseite ist auf weiĂem bis cremefarbenem Grund ĂŒberwiegend dunkel quergebĂ€ndert, nur der vordere Hals und die obere Brust sind sehr variabel leicht bis krĂ€ftig dunkel gefleckt oder gestrichelt. Kennzeichnend fĂŒr die Art ist der sehr krĂ€ftige, schwarze Bartstreif, der von der hellen Kehle scharf abgesetzt ist. Die Iris der Augen ist dunkelbraun, Wachshaut, Augenring und Beine sind gelb, die Krallen sind schwarz.
WĂ€hrend die FĂ€rbung der Geschlechter sehr Ă€hnlich ist, zeigen Wanderfalken einen starken reversen Geschlechtsdimorphismus hinsichtlich der KörpergröĂe. Kleine MĂ€nnchen haben eine KörperlĂ€nge von 35 cm und eine FlĂŒgelspannweite von 79 cm, groĂe Weibchen eine KörperlĂ€nge von 51 cm und eine Spannweite von 114 cm. MitteleuropĂ€ische MĂ€nnchen haben eine FlĂŒgellĂ€nge von 289â334 mm und wiegen 550â750 g, die FlĂŒgellĂ€nge von Weibchen aus diesem Raum betrĂ€gt 339â375 mm und das Gewicht 740â1300 g. Wanderfalken zĂ€hlen damit zu den gröĂten Arten der Gattung Falco, nur WĂŒrgfalke und Gerfalke sind noch gröĂer.
Das Flugbild des Wanderfalken ist typisch falkenartig mit einem krĂ€ftigen Rumpf, einem groĂen Kopf, relativ langen, etwas dreieckigen, spitzen FlĂŒgeln und einem mittellangen, leicht gerundeten Schwanz. Beste Erkennungsmerkmale sind die sehr dunkle Oberseite, die helle, quergebĂ€nderte Unterseite und der auch auf gröĂere Entfernung erkennbare Bartstreif. HĂ€ufig kann die Art auch aufgrund des Verhaltens erkannt werden (siehe unten).
Frisch ausgeflogene Jungvögel unterscheiden sich erheblich von den adulten (ausgefĂ€rbten) Vögeln. Junge Wanderfalken sind auf der Oberseite schwarzbraun, alle Deckfedern sind hell brĂ€unlich gerĂ€ndert. Die Unterseite ist auf rötlich braunem Grund dunkelbraun lĂ€ngsgestreift. Der Backenstreif ist weniger krĂ€ftig als bei den adulten Falken und hebt sich gegen die rotbraunen Kopfseiten viel weniger ab. Die Wachshaut und der Augenring sind blaugrau; beim KĂŒken ebenfalls die Beine. Wanderfalken mausern ab dem FrĂŒhjahr des zweiten Kalenderjahres, also im Alter von ca. 12 Monaten, in das Adultkleid und sind im Herbst des zweiten Kalenderjahres nicht mehr von den adulten unterscheidbar.
In der GröĂe und der FĂ€rbung weichen Unterarten in anderen Teilen der Welt erheblich von mitteleuropĂ€ischen Wanderfalken ab.
LautĂ€uĂerungen
Beide Geschlechter rufen in BrutplatznĂ€he hĂ€ufig. Der bei BeuteĂŒbergaben oder beim âNestzeigenâ geĂ€uĂerte Balzruf ist ein weit hörbares, deutlich zweisilbiges, gereihtes âakzick-akzickâ, das bei zunehmender Erregung immer schneller wiederholt wird. Der Alarmruf ist ein durchdringendes, scharfes âeeek-eeeek-eeeeekâ, das bei leichteren Störungen langgezogen ist.cite-ref-2[2] Bei massiven Störungen (z. B. Nestkontrollen) wird dieser Ruf von den dann meist ĂŒber dem Brutplatz kreisenden Falken in immer höherer Frequenz geĂ€uĂert und klingt dann wie âeek-eek-eek-eekâ. Dieser Ruf wird auch als Lahnen bezeichnet. Weit weniger auffĂ€llig ist zum Beispiel der Warnruf, mit dem der Partner auf eine Störung aufmerksam gemacht wird, dieser klingt wie âkjuckâ und ist nur aus geringer Entfernung hörbar.
Verbreitung und Lebensraum
Wanderfalken kommen auf allen Kontinenten auĂer auf Antarktika vor. Sie haben auĂerdem auch die meisten gröĂeren Inseln und Inselgruppen besiedelt, sie fehlen nur auf den Inseln der Karibik, Neuseelands und in Island. Der Wanderfalke ist damit der am weitesten verbreitete Vogel der Welt. Die weltweite Verbreitung der Art ist wesentlich auf ihre sehr unspezifischen LebensraumansprĂŒche zurĂŒckzufĂŒhren; diese beschrĂ€nken sich letztlich auf eine gesicherte Brutmöglichkeit und freien Luftraum mit einem ausreichenden Angebot an Vögeln.
Im gröĂten Teil des Verbreitungsgebietes sind Wanderfalken FelsbrĂŒter. Sie finden sich daher weltweit vor allem in Regionen mit Felsen. Geschlossen bewaldete und/oder groĂrĂ€umig felsfreie Gebiete werden nur regional in Mittel- und Osteuropa, im Nordwesten Nordamerikas und in Teilen Australiens besiedelt; hier brĂŒten Wanderfalken dann in Greifvogel- oder Rabenhorstencite-ref-3[3] bzw. in groĂen Baumhöhlen, wobei Baumhöhlen nur in Nordamerika und Australien genutzt werden. Ebenfalls nur regional brĂŒtet die Art als BodenbrĂŒter in groĂen Mooren, vor allem im Baltikum und im Norden Skandinaviens, Finnlands und Russlands. Wanderfalken fehlen in den tropischen WĂ€ldern der Niederungen SĂŒdamerikas und Afrikas und in den Steppenregionen Asiens. Sie meiden auĂerdem die ariden Zonen Amerikas, Afrikas und im Inneren Australiens.
In vielen Teilen der Welt, vor allem in Europa und Nordamerika, haben Wanderfalken in den letzten Jahrzehnten auch hohe Bauwerke als âKunstfelsenâ besiedelt. Dies wird zum Teil auch dadurch begĂŒnstigt, dass sich dort hĂ€ufig eine bevorzugte Beute von Wanderfalken â die Haustaube â in groĂer Zahl findet.
AuĂerhalb der Brutzeit und im Winterquartier sind Wanderfalken auch in vogelreichen LebensrĂ€umen aller Art anzutreffen, z. B. auch an KĂŒsten und in groĂen Feuchtgebieten.
Alfred Laubmann hatte fĂŒr sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur VerfĂŒgung. Einzig F. p. anatum betrachtete er nach Arnaldo de Winkelried Bertoni fĂŒr Puerto Betoni als möglichen Nachweis in der Literatur fĂŒr Paraguay.cite-ref-bertoni43-4-0[4] Allerdings bemerkte Laubmann, dass selbst Bertoni Zweifel hatte, ob es sich bei seinem Exemplar wirklich um ein Jungtier gehandelt hat. Trotzdem schloss er nicht aus, dass ein gelegentlicher Wintergast bei seinen SteifzĂŒgen das Land besucht.cite-ref-laubmann150-5-0[5]
Systematik
Externe Systematik
Der Artstatus des Wanderfalken ist unumstritten, die systematische Stellung innerhalb der Gattung Falco ist jedoch noch nicht abschlieĂend geklĂ€rt. Bei einer systematischen Untersuchung anhand des mitochondrialen Cytochrom-b-Gens wurde fĂŒr die Art ein SchwestergruppenverhĂ€ltnis zu den GroĂfalken der Hierofalco-Gruppe (Lannerfalke, Gerfalke, WĂŒrgfalke und Laggarfalke) und zum PrĂ€riefalken festgestellt.cite-ref-6[6] Bei einer weiteren Untersuchung auf Basis der CR-Region der mitochondrialen DNA wurde jedoch ein SchwestergruppenverhĂ€ltnis zum PrĂ€riefalken festgestellt, beide Arten bildeten hier ein Schwestertaxon zur Hierofalco-Gruppe.cite-ref-7[7]
Interne Systematik
Wanderfalken zeigen eine deutliche GröĂenzunahme nach Norden. AuĂerdem sind die Wanderfalken in feuchten Klimaten insgesamt relativ dunkel, zu trockeneren Klimaten hin werden sie immer heller. Die Abgrenzung der Unterarten ist komplex und wird in der Wissenschaft intensiv diskutiert. Die ĂbergĂ€nge zwischen den Unterarten sind meist flieĂend; je nach Autor unterscheiden sich Anzahl und geographische Abgrenzung der Unterarten daher oft erheblich.
Die folgende Darstellung basiert im Wesentlichen auf Ratcliffe (1993). Insgesamt werden von ihm 19 Unterarten unterschieden:
âą F. p. peregrinus Tunstall, 1771cite-ref-tunstall1-8-0[8]: GemĂ€Ăigte und boreale Zone Eurasiens von Irland bis Ostsibirien.
âą F. p. calidus Latham, 1790: (Synonym: F. p. leucogenyscite-ref-dixon-et-al-2012-9-0[9]) Nördlich an Nominatform anschlieĂend; Tundra Eurasiens etwa von der Kola-Halbinselcite-ref-latham41-10-0[10] nach Osten bis zur Lena.
âą F. p. japonensis Gmelin, JF, 1788cite-ref-gmelin257-11-0[11]: Ăstlich an Nominatform anschlieĂend; Ostsibirien, Kamtschatka, Japan.
âą F. p. babylonicus Sclater, PL, 1861cite-ref-sclater218-13-0[13]: Gebirge und Hochgebirge im zentralen Iran, Afghanistan, sĂŒdlicher Himalaya bis zur Westmongolei. Wurde frĂŒher als Unterart des WĂŒstenfalken eingestuft.
âą F. p. ernesti Sharpe, 1894cite-ref-sharpe544-15-0[15]: Ozeanien; Indonesien, Philippinen, Neuguinea.
âą F. p. furuitii Momiyama, 1927cite-ref-momiya71-16-0[16]: Ogasawara-Inseln (etwa 1000 km sĂŒdöstlich von HonshĆ«).
âą F. p. pelegrinoides Temminck, 1829cite-ref-temminck479-20-0[20]: Nordwest- (von Mauretanien und Kanarischen Inseln nach Osten bis Tunesien) und Nordostafrika (Ăgypten, Sudan) sowie Nordwesten der Arabischen Halbinsel (Israel, Syrien). Wurde frĂŒher als Nominatform des WĂŒstenfalken eingestuft. Anderer Name war auch Berberfalke.
âą F. p. anatum Bonaparte, 1838cite-ref-bonaparte4-25-0[25]: sĂŒdlich an F. p. tundrius anschlieĂend; Nordamerika; nach SĂŒden etwa Nord-Mexiko, weiter östlich bis Mississippi. Artstatus der Falken an der OstkĂŒste (frĂŒher anatum) ist unklar da Wanderfalken verschiedener Unterarten ausgewildert wurden.
âą F. p. pealei Ridgway, 1874cite-ref-ridgway201-26-0[26]: WestkĂŒsten Kanadas und Alaskas, ferner auf den Aleuten und auf den Kommandeurinseln.
âą F. p. cassini Sharpe, 1873cite-ref-sharpe221-12-1[12]: Anden von Kolumbien bis zur SĂŒdspitze von SĂŒdamerika. F. kreyenborgi hat sich als helle Morphe von F. p. cassini herausgestellt.
Falco peregrinus riphaeus Buturlin, 1907cite-ref-butterlin99-27-0[27], Falco peregrinus brevirostris Menzbier, 1882cite-ref-menzbier276-28-0[28], Falco peregrinus germanicus Erlanger, 1903cite-ref-erlanger294-29-0[29] und Falco peregrinus rhenanus Kleinschmidt, 1912cite-ref-kleinschmidt99-30-0[30] werden heute als Synonyme zur Nominatform betrachtet. Falco rudolfi Kleinschmidt, 1909cite-ref-kleinschmidt19-31-0[31] gilt heute als Synonym zu F. p. pealei, Falco peregrinus kleinschmidti Dementiev, 1934cite-ref-dementiev480-32-0[32], Falco peregrinus pleskei Dementiev, 1933cite-ref-dementiev19-33-0[33] und Falco peregrinus harterti Buturlin, 1907 als Synonym zu F. p. japonensis, Falco kreyenborgi Kleinschmidt, 1929cite-ref-kleinschmidt33-34-0[34] als Synonym zu F. p. cassini, Falco caucasicus Kleinschmidt, 1909cite-ref-kleinschmidt62-35-0[35], Falco punicus Levaillant, JJR, 1850cite-ref-levaillant-36-0[36] als Synonym zu F. p. brookei, Falco barbarus arabicus Erlanger, 1903cite-ref-erlanger293-37-0[37], Falco peregrinus caeruleiceps Stegmann, 1934cite-ref-stegmann227-38-0[38] und Falco leucogenys Brehm, CL, 1854cite-ref-brehm51-39-0[39] als Synonym zu F. p. calidus. Zu erwĂ€hnen ist, dass russische Ornitholgen in F. p. harterti oft eine weitere Unterart sehen die in der FĂ€rbung zwischen F. p. japonensis und F. p. calidus steht. So wird das Verbreitungsgebiet vom Jana-Becken bis zur KĂŒste des Beringmeers angegeben.cite-ref-koblik103-40-0[40]
Jagdweise
Wanderfalken jagen fast ausschlieĂlich Vögel im freien Luftraum. Da eine gedeckte AnnĂ€herung an die Beute hier nicht möglich ist, wird das Ăberraschungsmoment durch die AnnĂ€herung mit gröĂtmöglicher Geschwindigkeit erreicht. Der Beute bleibt dann nur ein sehr kurzes Zeitfenster zur Reaktion. Die beiden wesentlichen Jagdtechniken sind der SteilstoĂ aus groĂer Höhe und der FlachstoĂ von einer Warte.
Beim SteilstoĂ kreist der Falke in gröĂerer Höhe und wartet auf Vögel, die unter ihm entlang fliegen. Der Falke geht dann in den Sturzflug ĂŒber und legt die FlĂŒgel an, die Steuerung erfolgt mit den Daumenfittichen. Höchstwahrscheinlich benutzen die Falken fĂŒr den eigentlichen Schlag dann die ungeöffneten FĂŒĂe. Der Falke fliegt nach dem Schlag aufgrund seiner groĂen Geschwindigkeit an der Beute vorbei und kehrt dann in einer Kurve zu dieser zurĂŒck. Die Beute wird hĂ€ufig allein durch den Aufprall getötet, falls sie nur verletzt ist, tötet der Falke sie dann mit einem Biss ins Genick. Vögel, die den anfliegenden Falken rechtzeitig bemerken, beginnen sofort, sehr eng zu kreisen. Diese Manöver kann der anfliegende Falke aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit nicht mitmachen und ist dann meist erfolglos. Wanderfalken erreichen bei ihren SturzflĂŒgen sehr hohe Geschwindigkeiten. Meldungen verlauten Spitzengeschwindigkeiten von ĂŒber 300 km/h und sogar bis zu 400 km/h im seltenen senkrechten Sturzflug.cite-ref-41[41]
Beim FlachstoĂ von einer Warte erfolgt die AnnĂ€herung an die Beute von hinten und etwas versetzt unterhalb der Beute. Wanderfalken können jeden anderen Vogel im Geradeausflug schnell einholen, hier stellt der Falke das Ăberraschungsmoment also durch die schnelle AnnĂ€herung im âtoten Winkelâ der Beute her. Der Beutevogel wird dann von hinten und unten gegriffen. Wenn Vögel die AnnĂ€herung des Falken rechtzeitig bemerken, haben sie relativ gute Chancen zu entkommen. Kleinere Vögel (z. B. Stare) lassen sich sofort fallen, gröĂere wie Tauben versuchen Ă€hnlich wie bei SteilstöĂen durch das Fliegen sehr enger Kurven zu entkommen, auch in diesen FĂ€llen ist der Falke dann meist aufgrund seiner zu geringen Wendigkeit erfolglos.
Diese beiden Grundmuster der Jagd werden vielfĂ€ltig variiert oder auch kombiniert. Insbesondere auĂerhalb der Brutzeit jagen die Paare hĂ€ufig gemeinsam, die AnnĂ€herung an einen Beutevogel erfolgt dann in einem gewissen Abstand zueinander, so dass der zweite Falke bei einem FehlstoĂ des ersten auf den ausweichenden Vogel nachstoĂen kann. Weicht der Vogel nach oben aus, folgt einer der Falken dem Vogel in die Höhe, wĂ€hrend der andere (meist das Weibchen) unter dem Beutevogel kreist und ihm so den Weg nach unten abschneidet.
ErnÀhrung
Wanderfalken fressen fast ausschlieĂlich kleine und mittelgroĂe Vögel. Das Maximalgewicht der Beute liegt bei etwa 500 g, das entspricht etwa dem Gewicht einer Ringeltaube oder einer RabenkrĂ€he. Die meisten Beutevögel sind jedoch deutlich leichter.
Welche Arten im Beutespektrum dominieren, hĂ€ngt vom lokalen Angebot ab. Die Jagdmethoden des Wanderfalken sind am erfolgreichsten bei Vögeln, die ĂŒber eine lĂ€ngere Strecke geradeaus fliegen. In weiten Teilen West- und Mitteleuropas dominieren daher Haustauben in der Beute. Im Sommerhalbjahr sind dies vor allem die in groĂer Zahl zu WettflĂŒgen ĂŒber groĂe Entfernungen aufgelassenen Brieftauben, in StĂ€dten und an FelskĂŒsten zusĂ€tzlich wilde StraĂentauben bzw. die Felsentaube. Besonders im Herbst und im FrĂŒhjahr spielen Zugvögel, vor allem Drosseln und Stare, eine wichtige Rolle bei der ErnĂ€hrung. An KĂŒsten leben Wanderfalken vor allem von Seevögeln wie Möwen, Lummen und Alken.
Wanderfalken jagen bis weit in die DĂ€mmerung hinein; FledermĂ€use, vor allem frĂŒh fliegende Arten wie Abendsegler, sind daher die einzigen regelmĂ€Ăig erbeuteten SĂ€ugetiere. In GroĂstĂ€dten nutzen Wanderfalken das groĂe Kunstlichtangebot und jagen nachts ziehende Vögel wie Rallen und Limikolen, in Berlin z. B. hĂ€ufig Wasserrallen, Wachtelkönige und Waldschnepfen.cite-ref-42[42]
Fortpflanzung und Lebensalter
Wanderfalken sind im zweiten Kalenderjahr, also im Alter von etwa 9 Monaten, geschlechtsreif. Im Vorjahr geborene Individuen sind als Brutvögel in intakten Populationen aufgrund der groĂen innerartlichen Konkurrenz jedoch sehr selten.
Wanderfalken sind in Mitteleuropa ganzjĂ€hrig in ihren Revieren anzutreffen. Etwa ab Januar beginnt die meist nicht sehr auffĂ€llige Balz damit, dass die Revierpartner dicht nebeneinander auf Warten sitzen und bei gutem Wetter zusammen ĂŒber dem Revier kreisen. Etwa 6 Wochen vor der Eiablage beginnt das MĂ€nnchen das Weibchen mit Beute zu versorgen, das Weibchen ist dann kaum noch aktiv. Einige Wochen vor der Eiablage ist der Höhepunkt der Balz erreicht, sie besteht nun neben den BeuteĂŒbergaben vor allem aus dem âNestzeigenâ des MĂ€nnchens. Dieses kratzt an den potenziellen BrutplĂ€tzen eine Mulde und versucht das Weibchen durch lautes âAkzickenâ dorthin zu locken.
Wanderfalken bauen wie alle Falken keine Nester. FelsbrĂŒter nutzen vorhandene kleine Höhlen oder FelsbĂ€nder sowie verlassene Nester von anderen in FelswĂ€nden brĂŒtenden gröĂeren Vögeln, z. B. Kolkraben. BaumbrĂŒter nutzen verlassene Nester von Greifvögeln, Reihern oder Kolkraben. Die Eiablage erfolgt in Mitteleuropa meist Mitte MĂ€rz bis Mitte April, ausnahmsweise bereits ab Ende Februar oder, vor allem bei Nachgelegen, bis Mitte Mai. Die GelegegröĂe betrĂ€gt meist 3â4 (1â5) Eier. Die Eier sind recht rundlich, messen im Mittel etwa 51 Ă 41 mm und wiegen 39â48 g. Sie sind auf gelblichem Grund sehr dicht rot- oder gelbbraun gefleckt und wirken daher aus gröĂerer Entfernung oft einfarbig braun. Die Brutdauer betrĂ€gt 34â38 Tage.cite-ref-mr-43-0[43] Die Jungvögel fliegen mit etwa 42 Tagen (MĂ€nnchen) bzw. 46 Tagen (Weibchen) aus. Die Jungvögel bleiben meist etwa 4 bis 6 Wochen im Revier der Eltern und wandern dann ab. Wanderfalken erreichen ein Maximalalter von ĂŒber 15 Jahren, das nachgewiesene Höchstalter liegt bei fast 18 Jahren.cite-ref-44[44]
Wanderungen
Wanderfalken sind je nach Vorkommen Standvögel bis Langstreckenzieher; die Zugneigung nimmt nach Norden zu. Die Populationen der tropischen und mediterranen Zonen sind Stand- oder allenfalls Strichvögel. In Mittel-, Nord- und Osteuropa wandern insbesondere im ersten Lebensjahr viele Wanderfalken nach West- und SĂŒdwesteuropa und ĂŒberwintern dort, die adulten Wanderfalken sind hier jedoch ĂŒberwiegend Standvögel.cite-ref-45[45] Die arktischen Wanderfalken sind Langstreckenzieher. Die Vögel der Arktis Kanadas und Alaskas ziehen nach Mittel- und SĂŒdamerika,cite-ref-46[46] die Wanderfalken der russischen Arktis ĂŒberwintern in Afrika und im SĂŒden Asiens.
Bestandsentwicklung und GefÀhrdung
Wanderfalken wurden mindestens seit Ende des 19. Jahrhunderts von TaubenzĂŒchtern intensiv verfolgt, auch Eiersammler stellten Wanderfalken zumindest regional intensiv nach. Aufgrund der UnzugĂ€nglichkeit vieler BrutplĂ€tze fĂŒhrte diese Verfolgung jedoch nur regional zu stĂ€rkeren BestandsrĂŒckgĂ€ngen.
Ein groĂrĂ€umiger, katastrophaler BestandsrĂŒckgang des Wanderfalken wurde 1961 in GroĂbritannien entdeckt. Bei einem Zensus im Jahr 1962 wurde ein BestandsrĂŒckgang von 44 % fĂŒr das ganze Land gegenĂŒber dem mittleren Bestand der Jahre 1930â1939 festgestellt.cite-ref-47[47] Im SĂŒden Englands war die Art völlig verschwunden, in Wales und in Nordengland war der Bestand stark zurĂŒckgegangen und nur in den schottischen Highlands war der BestandsrĂŒckgang relativ gering. UnabhĂ€ngig davon waren ab 1951 gehĂ€uft zerbrochene Eier in Wanderfalkennestern gefunden worden, was vorher praktisch unbekannt war. Nach der Entdeckung des drastischen Bestandseinbruches wurden daraufhin Ă€ltere Eischalen des Wanderfalken aus Eiersammlungen in Museen und bei Sammlern untersucht und ein schlagartiger RĂŒckgang der Eischalendicke um im Mittel etwa 20 % ab 1947 festgestellt. Ăhnliche Verringerungen der Eischalendicke wurden in GroĂbritannien auch bei Sperber und Merlin gefunden.cite-ref-48[48]
Katastrophale BestandseinbrĂŒche und ein erheblicher RĂŒckgang der Eischalendicke nach 1950 wurden zeitgleich oder nur wenig spĂ€ter in weiten Teilen der nördlichen HemisphĂ€re verzeichnet. In Europa starb der Wanderfalke in DĂ€nemark, Polen, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und der DDR bis Ende der 1970er Jahre aus, die BestĂ€nde in Skandinavien, der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Ăsterreich gingen bis auf wenige Paare zurĂŒck. Die BaumbrĂŒterpopulation Mittel- und Osteuropas starb vollstĂ€ndig aus. In den USA verschwand der Wanderfalke aus allen Bundesstaaten östlich der Rocky Mountains.
Der plötzliche RĂŒckgang der Eischalendicke nach 1946 fiel mit den Jahren der erstmaligen groĂflĂ€chigen Anwendung von DDT in der Land- und Forstwirtschaft zusammen. Ende der 1960er Jahre wurde festgestellt, dass der Gehalt des DDT-Metaboliten DDE (Dichlor-Diphenyl-Dichlorethylen) in den Eiern mit der Eischalendicke negativ korreliert. Eine Abnahme der Eischalendicke um 17 % war mit einem DDE-Gehalt von 15â20 ppm DDE bezogen auf das Frischgewicht des Eiinhalts verbunden. Wanderfalkenpopulationen, deren durchschnittliche Eischalendicken um 17 % oder mehr verringert waren, gingen stark zurĂŒck oder starben aus.cite-ref-49[49]
Aufgrund seiner toxischen Wirkung auf Wanderfalken und viele Greifvögel wurde DDT ab Anfang der 1970er Jahre in allen westlichen Industriestaaten verboten. Die RestbestĂ€nde des Wanderfalken nahmen etwa ab Ende der 1970er Jahre wieder ĂŒberall stark zu, die Bestandserholung wurde durch den intensiven Schutz der BrutplĂ€tze, wobei teilweise die BrutplĂ€tze wĂ€hrend der Brutzeit bewacht wurden, und zahlreiche Auswilderungsprogramme in vielen Regionen stark gefördert. Heute sind fast alle Regionen, in denen Wanderfalken vor dem sogenannten âDDT-Crashâ heimisch waren, wieder besiedelt. Im Zuge dieser Bestandserholung hat der Wanderfalke auch viele StĂ€dte besiedelt, hier werden die Ansiedlungen hĂ€ufig durch Brutplatzmanagement intensiv betreut. Bis heute sind aber die sĂŒdliche LandeshĂ€lfte Finnlands, das Baltikum, Belarus, Ukraine mit Ausnahme der Krim und der westliche Teil des europĂ€ischen Russlands unbesiedelt.
Der deutsche Bestand stieg nach dem Tief um 1975 mit etwa 50 Paaren wieder stark an und umfasste 2006 etwa 950 Brutpaare (BP),cite-ref-kramer-geb-udebr-ter-50-0[50] in Ăsterreich brĂŒteten um 2004 wieder etwa 250 BP und in der Schweiz 2002 etwa 250 BP.cite-ref-mebs-schmidt-2006-51-0[51] Der europĂ€ische Gesamtbestand am Anfang des 21. Jahrhunderts wurde auf etwa 6.600 BP geschĂ€tzt.cite-ref-mebs-schmidt-2006-51-1[51] Der Wanderfalke war Vogel des Jahres 1971 und damit ĂŒberhaupt die erste so bedachte Art.
Die IUCN schĂ€tzt die Gesamtpopulation des Wanderfalken heute auf 10.000 bis 100.000 Tiere und hĂ€lt sie fĂŒr stabil. Die Art wird als ânicht gefĂ€hrdetâ eingestuft. In der Schweiz ist der Bestand seit einigen Jahren stark rĂŒcklĂ€ufig (Stand: 2022), so dass er im Jahr 2022 auf die Rote Liste gefĂ€hrdeter Arten gesetzt werden musste.cite-ref-schweizerbauer-52-0[52]
In den letzten Jahren sorgte die Vogelgrippe fĂŒr EinbrĂŒche in Wanderfalkenpopulationen. Die Wanderfalkenpopulation in den Niederlanden zeigte RĂŒckgĂ€nge 2017, 2022 und 2023, wobei 2017 die insbesondere Ăberwinterungspopulation betroffen war. Der RĂŒckgang entsprach 2017 dem damaligen Verteilungsmuster der Vogelgrippe-infizierten Wasservögel. Die RĂŒckgĂ€nge erfolgten im Schwerpunkt in und um Feuchtgebieten, wo in den letzten Jahren viele mit dem Vogelgrippe-Virus infizierte mittelgroĂe Wasservögel (=Beutetiere) vorkamen. Vereinzelt gab es in den Niederlanden Zunahmen im Landesinneren. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Wanderfalken in diesen Gebieten mehr von Tauben (einem seltenen Wirt fĂŒr das Vogelgrippevirus) und weniger von Wasservögeln (einem hĂ€ufigen Wirt fĂŒr das Influenzavirus) ernĂ€hren und daher ein geringeres Risiko haben, sich zu infizieren.cite-ref-53[53]
Wanderfalken in StÀdten
Bis in die 1980er Jahre waren Bruten des Wanderfalken an GebĂ€uden seltene Ausnahmen. Hauptursache war vor 1955 die intensive Verfolgung, nach 1955 der Bestandszusammenbruch durch DDT. Als Folge des âPestizid-Crashsâ Ă€nderte sich die Einstellung des Menschen zum Wanderfalken grundlegend. Im Verlauf der Erholung der BestĂ€nde ab Mitte der 1970er Jahre wurden auch GebĂ€ude inner- und auĂerhalb von StĂ€dten besiedelt. Dabei wurde eine Vielzahl von GebĂ€udetypen wie Kraftwerke, FernmeldetĂŒrme, BrĂŒcken, KirchtĂŒrme und andere hohe GebĂ€ude als Brutplatz gewĂ€hlt. Selbst an in Betrieb befindlichen Schaufelradbaggern und Absetzern in groĂen Tagebauen wird gebrĂŒtet. Diese Ansiedlungen wurden nun intensiv unterstĂŒtzt, vor allem durch die Anbringung geeigneter Nisthilfen. Wanderfalken konnten so auch neue Populationen in groĂrĂ€umig felsfreien Gebieten etablieren. Vor allem im Flachland machen GebĂ€udebrĂŒter regional heute zum Teil einen erheblichen Teil des Gesamtbestandes aus. Im Osten der USA brĂŒteten 1993 etwa 34 % der Population an GebĂ€uden,cite-ref-54[54] im Mittleren Westen der USA 1995 ĂŒber 80 %,cite-ref-55[55] in Nordrhein-Westfalen 1996 ebenfalls ĂŒber 80 %.cite-ref-56[56] In der Bundesrepublik Deutschland brĂŒteten im Jahr 2006 von den rd. 950 bekannten Paaren gut 310 (= 33 %) an Bauwerken.cite-ref-kramer-geb-udebr-ter-50-1[50] Im Raum London brĂŒtete 1998 das erste Paar und der Bestand stieg bis 2010 auf 23 Revierpaare an.cite-ref-57[57] Als der Ort der höchsten Dichte an brĂŒtenden Wanderfalkenpaaren weltweit gilt die Wolkenkratzer-Landschaft von Manhattan in New York City, wo erstmals im Jahr 1983 zwei Falkenpaare auf der Verrazzano-Narrows Bridge und der Throgs Neck Bridge nisteten. Bis zum Jahr 2016 war die Zahl der Brutpaare im Stadtgebiet auf 16 angewachsen.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59] WĂ€hrend adulten Wanderfalken im urbanen Raum kaum Gefahren drohen, verunglĂŒcken hier viele eben ausgeflogene Falken an technischen Hindernissen, vor allem durch AnflĂŒge gegen Glasfassaden und durch StĂŒrze in groĂe Schornsteine. In Berlin ĂŒberlebten 1986â1999 34,3 % der ausgeflogenen Jungvögel nicht bis zum SelbstĂ€ndigwerden;cite-ref-mr-43-1[43] auch in New York lag die Verlustrate 1983â1992 bei rund 33 %.cite-ref-60[60]
Wanderfalke und Mensch
â
Hauptartikel
:
Beizjagd
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Weblinks
Commons
: Wanderfalke (
Falco peregrinus
)
â Album mit Bildern
Wiktionary: Wanderfalke
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber Wanderfalke im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⹠Falco peregrinus in der Roten Liste gefÀhrdeter Arten der IUCN 2025.1. Eingestellt von: BirdLife International, 2021. Abgerufen am 12. Juni 2025.
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âą xeno-canto: Tonaufnahmen â Wanderfalke (Falco peregrinus)
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âą Arbeitsgruppe Wanderfalke in Bayern
âą Javier Blasco-Zumeta, Gerd-Michael Heinze: Geschlechts- und Altersbestimmung (PDF-Datei, englisch)
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âą ein Tagebuch ĂŒber nistende Wanderfalken in Heidelberg, einschlieĂlich Links zur Direktbeobachtung wĂ€hrend der Brutzeit
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